Untersuchung: Vitale Innenstädte 2020

Bremen hat im Herbst 2020 als eine von 107 Städten erneut an der Untersuchung „Vitale Innenstädte 2020“ des IFH Köln teilgenommen. Die lokalen Partner waren neben der Handelskammer Bremen die CityInitiative, die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa sowie die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau.
Im Rahmen der Untersuchung wurden Innenstadtbesucher ganztägig an zwei unterschiedlichen Tagen im September und Oktober 2020 (jeweils Donnerstag und Samstag) an standortspezifisch relevanten Punkten im Stadtzentrum mittels eines standardisierten Fragebogens interviewt. Die Stadtbesucher wurden unter anderem zu der Erreichbarkeit der Stadt, ihrem Einkaufsverhalten und ihrem Besuchsanlass gefragt. Diesen Fragen ist das IFH Köln 2020 bereits zum vierten Mal nachgegangen. Die Studie wurde 2020 ergänzt um folgende Schwerpunktthemen: Auswirkungen der Corona-Pandemie und Analyse der Visitor Journey. Insgesamt sind rund 60.000 Interviews zusammengekommen.
Bremen wird in der Ortsgrößenklasse mit über 500.000 Einwohnern mit den Städten Düsseldorf, Dortmund, Hannover, Köln, Leipzig und Stuttgart verglichen.
Die Studie zeigt, dass Besucherinnen und Besucher der Innenstadt, ähnlich wie im Jahr 2018, zu 62,5 % aus Bremen (Ortsgrößendurchschnitt 62,8 %) und zu 37,5 % aus dem Umland (Ortsgrößendurchschnitt 37,2 %) kommen.
Die Gesamt-Attraktivität der Bremer Innenstadt wird, wie bei der letzten Befragung, insgesamt mit der Schulnote 3 bewertet. Insbesondere im Bereich der Freizeit-, Dienstleistungs- und Veranstaltungsangebote sowie der Digitalisierung gibt es noch Aufholbedarf. 
 

Nach wie vor ist der Einkaufsbummel das Motiv Nr. 1, um in die Bremer Innenstadt zu kommen. Wie bei der letzten Studie wurde das Einzelhandelsangebot insgesamt mit Schulnote 3 beurteilt. Das Angebot einiger Branchen hat sich allerdings in der Wahrnehmung der Besucher im Vergleich zur Befragung im Jahr 2018 verschlechtert. Dazu zählen Bekleidung (von 2,4 auf 2,8) sowie Sport/Spiel/Hobby (von 2,6 auf 3,1), die mit der Schulnote 3 bewertet werden. „Gut“ schneiden Bücher, Drogeriewaren und Apotheken ab.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass im Einzelhandel der größte Handlungsbedarf besteht, aber auch das größte Verbesserungspotenzial liegt.
Diese Chance muss Bremen auch in den schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie und des strukturellen Wandels durch die Digitalisierung unbedingt jetzt ergreifen. Innovative Zwischennutzungskonzepte und die aktuellen Wettbewerbe um Pop-up- und Concept-Stores können dafür erste starke Impulse geben. Gleichzeitig ist es wichtig, die seit langem besprochene Nutzungsdurchmischung voranzutreiben, ein Mehr an Wohnen, Bildung, Handwerk, Freizeit und Erlebnis zu schaffen und sich auf die Standortvorteile Bremens zu besinnen sowie diese auszubauen. All das wird nur im Zusammenschluss von Behörden und privaten Akteuren gelingen“, so Carolin Reuther, Geschäftsführerin der CityInitiative. Dabei liegen gleich zwei der Standortvorteile Bremens auf der Hand: zum einen die Sehenswürdigkeiten, die mit 2,1 bewertet werden und damit besser als der Ortsgrößendurchschnitt (2,3), sowie die Erreichbarkeit, die insgesamt überdurchschnittlich abschneidet. „Allerdings ist auch klar“, so ergänzt Carolin Reuther, „alle Akteure haben im Großen und im Kleinen Hausaufgaben zu machen und insbesondere Problemfelder, wie das Thema Sauberkeit, nun endlich aktiv anzugehen.“
 
Die Erreichbarkeit der Bremer Innenstadt wird von den Besucherinnen und Besuchern als sehr gut bis gut bewertet und liegt bei den einzelnen Verkehrsmitteln im Ortsgrößendurchschnitt oder darüber. Die Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wird mit 1,8 (Durchschnitt 1,8) bewertet, die Erreichbarkeit mit PKW/Motorrad mit 2,7 (Durchschnitt 2,7) und auch die Parkmöglichkeiten liegen unverändert bei 3,3 und damit im Durchschnitt. Besser als im Durchschnitt zu den anderen Städten wird die Erreichbarkeit mit Fahrrad 1,8 (Durchschnitt 2,2) bewertet. Der Umweltverbund schneidet damit insgesamt in Bremen bereits jetzt gut ab. Um die Erreichbarkeit aller Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen, wurde in Bremen die Zusatzfrage nach der Bewertung der Erreichbarkeit zu Fuß gestellt, Ergebnis: 2,0. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass die Bremer Innenstadt für viele ein Ort der kurzen Wege ist: 89,1 % (Durchschnitt 77,7 %) und viele zu Fuß in die Innenstadt gekommen sind: 16,9 % (Durchschnitt 12,0 %).
 
Bei den Fragen, wie sich das Einkaufsverhalten durch die Corona-Pandemie und die Möglichkeit online einkaufen zu können verändert hat, wird deutlich, dass zunehmender Handlungsbedarf für den stationären Handel besteht, auch online aktiv zu sein. Die zunehmende Konkurrenz durch den Onlinehandel wird pandemiebedingt beschleunigt. Gut ein Drittel der Befragten geben an die Innenstadt aufgrund der Corona-Krise seltener zu besuchen (36,9 %, Ortsgrößendurchschnitt: 39,6 %) und kaufen verstärkt online ein und besuchen die Bremer Innenstadt daher seltener (33,7 %, Ortsgrößendurchschnitt: 25,3 %). 
 
Aufschlussreich sind auch die Ergebnisse, wie die Befragten sich über das Angebot der Innenstadt informieren. Abhängig vom Alter ist die Wahl der Kanäle und Medien, die genutzt werden, sehr unterschiedlich. Insgesamt am häufigsten werden Google, regionale Zeitungen/Magazine (print) sowie Prospekte/Flyer/Plakate genannt. Während die Befragten bis 25 Jahre Instagram zu 43,8 % als Informationskanal nutzen, sind es bei den über 51-Jährigen nur 0,6 %. Das Medium der Print-Zeitungen und Magazinen wird von den bis 25 Jahre alten Befragten zu 8,9 % und bei den ab 51-Jährigen zu 63,5 % als Informationsquelle genutzt. 
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